Wo ein bisschen Zeit ist…

Wo ein bisschen Zeit ist...KLEIN

Emil Ostrovski

Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel

Fischer JB, 24. Juli 2014

305 Seiten, € 16,99

ab 14 Jahre

 

 

An Jacks 18. Geburtstag wird sein Sohn geboren. Doch als Jack seinen Sohn zum ersten Mal in den Armen hält, ist er sich nicht mehr ganz so sicher, ob eine Adoption, die von der Mutter schon arrangiert wurde, so eine gute Idee ist. Also schnappt er sich kurzer Hand sein Kind (das er nach dem großen Philosophen Sokrates benennt), kauft sich ein Auto, schnappt sich seinen besten Freund Tommy und seine Ex-Freundin Jess (Sokrates` leibliche Mutter) und macht sich auf dem Weg, um seiner Alzheimer-kranken Großmutter seinen Sohn zu zeigen. Auf dem Weg dahin klärt er alle wichtigen Fragen des Lebens mit dem Kleinen, wobei die Polizei ihm und seinen Freunden immer dicht auf den Fersen ist.

„Wo ein bisschen Zeit ist“ ist ein Buch, dass man, so glaube ich, erst mit einiger Lebenserfahrung richtig verstehen kann. Denn während des Lesens haben mich die Selbstgespräch-Dialoge, die Jack mit seinem Sohn Sokrates über philosophische Fragen hält, nicht immer erschlossen. Es ist auf jeden Fall ein Roman, über den man nach dem Lesen nachdenkt und sacken lassen muss. Doch neben der Philosophie ist es auch ein Buch über das Abschied nehmen und hat auch ein paar witzige Stellen vorzuweisen. Jack ist dabei der Typ, der immer versucht, das Richtige zu tun, dabei aber oft auch ziemlich hilflos ist, doch schließlich ist er auch gerade erst 18 Jahre alt. Er versucht dabei seine Hilflosigkeit angesichts seiner Situation mit seiner philosophischen Art zu überspielen. Dabei ist es nachvollziehbar, dass er seinen Sohn, als er ihn zum ersten Mal in den Armen hält, nicht einfach so hergeben will. Ich vermute, dass sein Wunsch seiner Großmutter (die schon ziemlich senil ist und sich nur an ihren guten Tagen an ihren Enkel erinnern kann) ihren Urenkel zu zeigen mit der Hoffnung verbunden ist, eine Art Erleuchtung zu kriegen und den Beweis, dass er vielleicht doch für seinen Sohn sorgen könnte. Jedoch zeigt sich während der gesamten Handlung deutlich, dass weder Jack noch die Mutter Jess (die mit dem Kind eigentlich nichts mehr zu tun haben will und diese Reise daher eher zum Abschied nehmen von ihrem Sohn benutzt) in ihrem Alter nicht in ihrer Mutter/Vater-Rolle aufgehen können. Jacks bester Freund Tommy ist während der gesamten Reise derjenige, der die Stimmung immer etwas auflockert und voll und ganz hinter Jack steht.

Alles in allem ist dies ein Buch, das wichtige philosophische Fragen, wie und ab wann man erwachsen ist, und das Thema Abschied nehmen behandelt. Ich würde es jedem empfehlen, der sich für philosophische Fragen um den Sinn des Lebens interessiert.

Johanna, 17 Jahre